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12 Milliarden Umsatz: leistungsfähige Logistik in Sachsen

LogistikPlan sieht weiteren Handlungsbedarf bei Gewerbeflächen und Verkehrsanbindung

Einen lange erwarteten Überblick zur Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen hat jetzt das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) veröffentlicht. Das Fazit von Wirtschaftsminister Martin Dulig: „Sachsen ist attraktiv für weitere Ansiedlungen.“

Mehr Informationen hier:

Zusammenfassung der Studie: sachsen.de/bdb/artikel/34527

Ergebnisbericht der Studie: sachsen.de/bdb/artikel/34526

Gesamtdokumentation der Studie: sachsen.de/bdb/artikel/34542

Ausweitung der Förderungsmöglichkeiten: sachsen.de/medien/news/227894

Industriedialog Neue Mobilität Sachsen: sachsen.de/medien/news/233591


Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wird seit November 2014 von Staatsminister Martin Dulig (SPD) geleitet. Martin Tobias Dulig wurde am 26. Februar 1974 in Plauen geboren. Der studierte Erziehungswissenschaftler ist verheiratet, hat sechs Kinder und lebt mit seiner Familie in Moritzburg.

Staatsminister Martin DuligStaatsminister Martin Dulig

Rohstoffabbau ohne Transport, Industrie ohne Logistik, Handel ohne Versand? Das ist heute undenkbar! Die Logistikwirtschaft hat sich vom ursprünglichen Speditionsgewerbe längst zu einem Organisator und Befähiger von kompletten Lieferketten hin entwickelt. Gerade im Freistaat Sachsen, einem traditionsreichen Produktionsstandort und Handelsplatz, gilt die Ausstattung mit modernen Logistikdienstleistungen als Schlüsselfaktor für die weitere Wirtschaftsentwicklung. Das sächsische Wirtschaftsministerium hat nach 10 Jahren nun erneut die logistikbezogenen Standortbedingungen in Sachsen umfassend untersuchen lassen. Die Studie Logistikwirtschaft im Freistaat Sachsen. Analysen – Herausforderungen – Potenziale präsentiert auf über 300 Seiten jede Menge Zahlen, Fakten und Karten, aber auch kluge Analysen und aktuelle Praxisbeispiele.

Die StuStudie Logistikwirtschaft Sachsendie macht den enormen Stellenwert der Logistikbranche innerhalb der sächsischen Gesamtwirtschaft erstmals so detailliert deutlich: rund 170.000 Erwerbstätige erwirtschaften einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro. „Die zentrale Lage und die leistungsfähige Infrastruktur“, so Staatsminister Martin Dulig (SPD), „prädestinieren den Logistikstandort Sachsen als Drehscheibe und Gateway zu wichtigen Märkten in Europa. “Der Freistaat Sachsen, der zu den logistikaffinen Ländern in der Bundesrepublik gehöre, sei damit für die weitere Ansiedlung von transportintensiven Industrien ebenso attraktiv wie für den Standortausbau von Logistikzentren für Handelsunternehmen oder Kontraktlogistiker.


Logistikdienstleistungen bieten starkes Potential für Industrie und Handel

Schon heute stehen die sächsischen Standorte von international agierenden Unternehmen im Mittelpunkt anspruchsvoller Lieferketten – etwa für Volkswagen in Zwickau, Chemnitz und Dresden, für BMW und Porsche in Leipzig, für Globalfoundries und Infineon in Dresden, bis hin zu Bombardier und Siemens in Bautzen und Görlitz. Nicht ohne Grund, denn Sachsen weist im bundesweiten Vergleich erhöhte Anteile in den Teilmärkten industrielle Kontraktlogistik, KEP (Kurier-, Express- und Paketdienste) sowie Luftfracht auf. Auch der Flughafen Leipzig/Halle wird sein europaweit führendes Luftfracht-Drehkreuz weiter ausbauen.

Davon profitieren auch zahllose mittelständische Betriebe, die diesen Standortvorteil im nationalen und internationalen Wettbewerb erfolgreich nutzen, so zum Beispiel die KOMSA Kommunikation Sachsen AG. Der sächsische Handelsspezialist für Kommunikationstechnik, der für das aktuelle Geschäftsjahr erneut einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erwartet, wurde als „Hidden Champion“ mit dem Europäischen Logistikpreis ausgezeichnet und erhielt zuvor – gemeinsam mit dem Logistikberatungsunternehmen LogistikPlan – 2018 den Deutschen Logistik-Preis.

Förderung vor allem in Randgebieten wichtig

Beim Fachforum Logistikwirtschaft im November 2019 in Leipzig wurden die Untersuchungsergebnisse erstmals veröffentlicht und in einem Podium mit Logistikexperten diskutiert. „Die Studie ist eine hervorragende Bestandsaufnahme für die sehr heterogene Logistik-Branche“, schätzte hier LogistikPlan-Geschäftsführer Stefan Gärtner ein. „Doch stärkere Impulse für die Zukunft hätten durchaus gut getan.“

Zwar nenne das Papier auch eine ganze Reihe von Handlungsempfehlungen für die Staatsregierung und die Wirtschaft. Doch viele der Themenfelder sind hinlänglich bekannt, etwa zur Fachkräftesituation, zur Verkehrsinfrastruktur und zur Digitalisierung. Gerade in randlagigen Industriestandorten warten viele wachstumsstarke Unternehmen seit Jahrzehnten schon auf eine bessere Verkehrsanbindung, sei es in Riesa oder Nünchritz, in Hohenmölsen oder Freiberg, in Neustadt oder Zittau. Hohen Handlungsbedarf sieht LogistikPlan auch bei der weiteren Erschließung von Gewerbeflächen: „Viele unserer Kunden“, so der LogistikPlan-Chef, „können ihre Strategie zur Standortentwicklung einfach nicht umsetzen – beispielswiese für ein neues Logistikzentrum – weil es am Bauland fehlt, am B-Plan oder an einer vernünftigen Erschließungsstraße.“

Immerhin hat Dulig seine Instrumente vorausschauend weiterentwickelt: auf Initiative seines Ministeriums hat das sächsische Kabinett beschlossen, die Fördermöglichkeiten der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW RIGA) zu erweitern. Damit setzt man zusätzliche Anreize – für die Entwicklung im ländlichen Raum ebenso wie für Investitionen in der Logistikwirtschaft, vom klassischen Großhandel und Versandhandel bis zum Onlinehandel.

Sachsen ist Mobilitätsland

Dass es der Freistaat mit der Verzahnung von Industrie, Verkehr, Logistik und Digitalisierung ernst meint, bestätigte der Wirtschafts- und Verkehrsminister gerade beim Industriedialog Neue Mobilität Sachsen. Vor rund 250 Experten aus Wirtschaft und Forschung – zu Gast bei VW in der Gläsernen Manufaktur in Dresden – informierte er über ein ganzes Bündel an Aktivitäten zur Unterstützung des Transformationsprozesses in der sächsischen Automobil- und Automobilzulieferindustrie. „Damit bieten wir eine Gelegenheit, Wertschöpfung von morgen zu planen. Sachsen kann auch Neue Mobilität!“

| Text: Egbert Sass
| Bilder: Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA)