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Automation im Handel: Intralogistik wie von Zauberhand

Das moderne Lager denkt mit und steuert seine Roboter

Künstliche Intelligenz, Skypod oder AutoStore: Automatisierung hält mit Riesenschritten Einzug in die Handelslogistik, speziell ins Lager. LogistikPlan begleitet diesen revolutionären Prozess – und ist bei Implementierungen ganz vorn dabei.

Jeder Logistiker wünscht sich vermutlich ein Lager, das sich vollautomatisch selbst organisiert. Womöglich wird dieser Traum bereits in wenigen Jahren wahr. Schon heute existieren zahlreiche gelungene Praxisbeispiele für mehr oder weniger automatisierte Lager. Und auch die rasante Entwicklung, welche Anbieter von Lagertechnik vollziehen, ist atemberaubend. Beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme. Aktuell überschreitet der Automatisierungsgrad in der gesamten Handelslogistik selten 50 Prozent. Das hat mehrere Ursachen. Vollautomatische Transporte auf Straße oder Schiene sind noch Zukunftsmusik, automatische Transportschnittstellen fehlen ebenfalls. Zumindest bei Shuttlebetrieb oder Innerwerksverkehren wurden diese Probleme gelöst. Auch die automatische Beladung und Ladungssicherung von LKW, Container oder Wechselbrücke ist bisher schon möglich, aber nicht standardisiert und nur selten im Einsatz. Und für Value Added Services (VAS, z.B. zur Qualitätskontrolle oder zum Handling von speziellen Artikelgeometrien), können ohnehin nur individuelle Lösungen entwickelt werden.

Höchster Automatisierungsgrad im Lager machbar

Deutlich besser sieht es bei der Intralogistik innerhalb der Lagerzonen aus – hier ist heute schon die Automation fast aller Funktionen machbar. Die Prognose von LogistikPlan: Bei Ausnutzung aktueller Möglichkeiten könnte der Automatisierungsgrad entlang der Lieferkette auf 60 bis 80 Prozent steigen. Wie Umfragen ergaben, wollen ein Drittel bis die Hälfte der befragten Händler mittels Automatisierung die Effizienz, Ergonomie und Personalverfügbarkeit im Lager verbessern. Als Vorreiter bei der Automatisierung großer Lager gilt Amazon. Winsen in Niedersachsen ist der erste deutsche Standort, an dem Amazon von Kiva Systems entwickelte Roboter seit Ende 2017 einsetzt. 145 Kilogramm schwere „Drive Units“ fahren Kommissionier-Regale mit 5,5 km/h quer durch alle sechs Hallen mit 64.000 Quadratmetern Fläche. Der Lagerbestand umfasst bis zu zwölf Millionen Artikel. Inzwischen sollen die Roboter auch im neuen Amazon-Logistikzentrum in Mönchengladbach zum Einsatz kommen. Das Lager wurde mit 55.000 Quadratmetern Fläche geplant, hier sollen neben 1.000 Mitarbeitern bis zu 4.000 Roboter arbeiten.

AutoStore stapelt skalierbar hoch

Im Vergleich zum automatischen Kleinteile-Lager (AKL) bieten AutoStore-Konzepte bis zu 90 Prozent der Kommissionierleistung auf deutlich weniger Hallenfläche. Ddenn durch hochkomprimierte Lagerung von Behältern entsteht ein enormer Flächennutzungsgrad. Die Kommissionierung erfolgt im Ware-zu-Mann-Prinzip an ergonomischen Arbeitsplätzen. AutoStore lässt sich sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Durchsätzen ohne extreme Lastspitzen einsetzen. Eine fördertechnische Anbindung an Packplätze und Konfektionierung ist gewährleistet, Zugriffsberechtigungen können IT-seitig gesteuert werden. Die Ware lagert verschlossen und staubfrei. Für empfindliche elektronische Geräte und andere hochwertige Güter besteht noch ein zusätzlicher Vorteil: mittels Sauerstoffabsenkung können im Lagerkubus strengste Vorgaben bezüglich des Brandschutzes erfüllt werden. Das ist übrigens auch Bestandteil des LogistikPlan-Konzeptes bei KOMSA. Aus strategischer Sicht bietet AutoStore noch den Vorteil, dass Lagerkubus, Roboter und Ports sind parallel zum laufenden Betrieb skalierbar sind.

Pick-Performance mal Drei

Mit der neuesten Black Line B1-Version lässt sich die Performance von AutoStore vermutlich auf bis zu 650 Picks je Stunde mehr als verdreifachen: Erreicht wird das unter anderem durch einen schnelleren Relay-Port mit zwei Sekunden Transferzeit je Behälter und Einsatz neuer B1 Blackline Roboter mit innenliegendem Greifsystem. Diese Roboter können rund um die Uhr arbeiten, ein Wechsel des Akkus ist innerhalb von nur 20 Sekunden erledigt. Die Verwendung größerer Behälter mit 425 mm Höhe (auch 330 mm und 220 mm sind erhältlich) erlaubt größere Lagergüter. Ein weiterer Pluspunkt: Durch den Direktantrieb der Räder steigt die Fahrgeschwindigkeit der Roboter um 20 Prozent, während gleichzeitig der Wartungsaufwand sinkt.

Klettermaxe im Hochregal

Wer meint, AutoStore wäre eine exotische Lösung, der kennt Skypod noch nicht. Das französisches StartUp Exotec Solution entwickelte einen Kommissionier-Roboter, der Regale hinaufklettert! Und natürlich auch wieder herunter. Dieser Skypod genannte Roboter kombiniert klassische Lager-Shuttle (z.B. von Knapp) und fahrerlose Transportsysteme (z.B. von Amazon). Skypod kraxelt im Hochregal empor, pickt einzelne Kisten und bringt diese ohne Behälterwechsel zum Menschen, und zwar direkt auf Arbeitsplatzhöhe. Bis zu 400 Picks pro Stunde erledigen derartige Roboter. Bei einer Tragfähigkeit von 30 Kilogramm sind sie im Lager mit bis zu 16 km/h unterwegs. Navigiert werden die Skypods per Laser, unterstützt von künstlicher Intelligenz. Ein spannendes Konzept, das der französische Hersteller demnächst auch mit einem Vertriebsteam in Deutschland anbieten wird – und vorab immerhin schon ein würdiger Preisträger auf der LogiMat: das Skypod-System wurde als Bestes Produkt in der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“ ausgezeichnet.

Bildquelle: KOMSA Kommunikation Sachsen AG