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Mensch 4.0? Das LogistikPlan Forum 2018

Neue Einsichten zum digitalen Wandel in Krankenhaus und Logistik

Gesellschaftlicher Wertewandel betrifft den einzelnen Menschen genauso wie das gesamte Unternehmen. Sei es der Komplexitätszuwachs auf globaler Ebene, die Digitalisierung der Arbeitswelt oder die Enttraditionalisierung des Familienlebens – wir unterliegen immer vielfältigeren Veränderungen. 

„Die Einflüsse führen vor allem unter jungen Menschen zum Verlust der Allgemeinverbindlichkeit von Normen, zum Verlust von sozialen Sicherheiten und zu einer Patchworkidentity“, sagt Jürgen H. Hille, renommierter Professor für Psychologie, Therapeut und Krankenhaus-Coach aus Hamburg.

Zum LogistikPlan Forum 2018 stellt Prof. Jürgen H. Hille einen erstaunlichen Doppeltrend fest: während ein Teil der Jugend auf den Wandel mit einer neuen bürgerlichen Konservativität reagiere – etwa bei der Berufswahl, in der Partnerschaft und im Freizeitverhalten – bevorzugen andere in der Generation Y das Modell „Party“: sie stellen Mobilität, Spaß und Selbstbestimmung in den Vordergrund.

Modernen Arbeitgebern empfiehlt Prof. Hille, eine neue Atmosphäre und Kultur zu entwickeln, in der Leistung, Lernen und Selbstverwirklichung ebenso Platz finden wie familiäre Identität und Zugehörigkeitsgefühl.

„Das Gesundheitssystem wird durch den gesellschaftlichen Wandel vor noch nie dagewesenen Herausforderungen gestellt. Im Alltag beobachte ich immer wieder, dass traditionelle Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder die Bindung zum Arbeitgeber heute einen geringeren Stellenwert haben als vor vierzig Jahren. Gleichzeitig beobachte ich bei jungen Mitarbeitern einen stärkeren Drang nach Individualisierung und Freizeitorientierung. Wenn diese Mitarbeiter auf Kollegen mit „alten“ Normvorstellungen treffen, birgt das Konfliktpotenzial in den Krankenhäusern. Unternehmen der Gesundheitsbranche sollten sich frühzeitig mit diesen Veränderungen befassen und bei ihren Mitarbeitern auf familiäre Führungsprinzipien setzen.“

Prof. Jürgen H. Hille, Hamburg

Wie geht das Krankenhaus der Zukunft mit den anstehenden Veränderungen um? Adam Pawelek, der sich seit über 20 Jahren mit dem Beschaffungs- und Projektmanagement im Krankenhaus befasst, verweist auf das Kernproblem und auf einen bewährten Lösungsansatz: "Angesichts zunehmenden Personalmangels muss das Management von Kliniken und Pflegbetrieben völlig neue Wege einschlagen – doch die Veränderung beginnt in den eigenen Köpfen." Mit einer Kombination von Methoden des Projektmanagements, des Changemanagements und der Prozessoptimierung hilft er, notwendige Veränderungen zu erkennen und erfolgreich umzusetzen.

„Das Krankenhaus der Zukunft zeichnet sich durch optimierte und digitalisierte Prozesse mithilfe von neuen Technologien und Robotik aus. Die Patienten müssen schnell und nach neuesten Erkenntnissen der Medizin behandelt werden. Die Mitarbeiter sollten von unnötigen Arbeiten entlastet werden. In deutschen Krankenhäusern besteht in diesem Punkt noch großer Nachholbedarf. Die Technologien für die Optimierung von Logistikprozessen sind jedoch sehr ausgereift. Meinen Kunden rate ich deshalb dazu, stufenweise einen sanften Umdenkprozess einzuleiten und die Mitarbeiter in die Gestaltung neuer Abläufe einzubeziehen. Wenn Transporte mit einem Mausklick anstelle eines Telefonats erfolgen, werden Mitarbeiter entlastet, Patienten schneller behandelt und die Krankenhauseffizienz gesteigert.“

Adam Pawelek, Geschäftsführer von Projekt on Time, Gevelsberg

Auch auf technischer Ebene werden Digitalisierung und Automatisierung den Wandel in den Unternehmen weiter stark prägen. Besonders deutlich wird das in der Health-Care-Logistik: angesichts sich rasant entwickelnder Technologien steht die Planung moderner Krankenhäuser teils vor völlig neuen Möglichkeiten, wie LogistikPlan-Chef Stefan Gärtner in seinem Vortrag aufzeigte. Inzwischen halten im Krankenhaus nicht nur autonome Logistikroboter Einzug, sondern auch intelligente Serviceautomaten, Pflege- und Zuwendungsroboter.

"Die Einsatzfelder", so Gärtner, "reichen vom Orientierungsassistenten über die Telemedizin bis zum OP-Roboter. Wir sollten den Weg zur Automatisierung mit Augenmaß gestalten und unsere Organisation, unsere Logistik und unsere Gebäude darauf einstellen.“

„Hat ein Logistikassistent keine Zeit für Überstunden, kann ein Co-Roboter seine Aufgaben auch nachts erledigen."

Stefan Gärtner, Geschäftsführer von LogistikPlan, Dresden

 


Das in Dresden beheimatete LogistikPlan Forum widmet sich seit 2011 dem offenen Gedankenaustausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, zwischen Bauherren und Planern sowie Herstellern und Anwendern. Neben Industrie-, Logistik- und Forschungspartnern kamen erstmals auch Logistikchefs aus Krankenhaus, Pharmazie, Labor und Medizinproduktehandel. Zwischen den über sechzig Teilnehmern entspann sich eine intensive und inspirierende Diskussion über die Zukunft vom Mensch und Robotik.

Im Ergebnis des Forums zeichnete sich ein guter Konsens ab: "Solange die Automatisierung uns entlastet oder gar etwas besser kann als der Mensch, sollten wir ihr den Weg bereiten", meint Falk Ness, Vertriebsleiter bei der Kemas GmbH. Ein dazu passendes Beispiel erwähnte Axel Kudraschow – Dezernent im Universitätsklinikum Frankfurt für Materialwirtschaft und Dienstleistungen: Zwar würden heute in den Kliniken noch keine Drohnen eingesetzt, doch der Bedarf liegt auf der Hand. Er hoffe, dass sie zukünftig als fliegende Roboter im Klinikgelände unterwegs sein werden, beispielsweise für den Transport von eiligen Laborproben.

An den Kosten der Automatisierung wird es aus Sicht von LogistikPlan künftig nicht mehr scheitern. Um ebenerdig eine Kiste von A nach B zu bringen, steht uns ein autonomer Delivery Bot heute schon ab 7.000 Euro pro Stück mit Vergnügen zur Seite. Abzüglich 4 Stunden Ladezeit sogar rund um die Uhr und auch am Wochenende.

 


│ Text: LogistikPlan  GmbH 2018  │ Fotos: Egbert Sass
│ Nachdruck nur mit Quellenverweis.